Auferstanden am dritten Tag - Creation and Evolution

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Auferstanden am dritten Tag

Deutsch > Forschungsbereiche > Biblische Theologie

P. Rüst (2006), Predigt Flüehli, Schwarzenburg (Schweiz), 7 S.
http://www.aneste.ch/files/Auferstanden.pdf

... und sich seitwärts bückend
sieht er die daliegenden Leinenbinden,
allerdings ging er nicht hinein.

Nun kommt auch Simon Petrus, ihm folgend,
und ging hinein in die Gruft;
und betrachtet die Leinenbinden
[die] daliegenden,

und das Schweisstuch,
das auf seinem Haupt war,
nicht zwischen den Leinenbinden
[den] daliegenden,
sondern abseits zusammengewickelt
auf einen Ort hin.

(Johannes 20,5-7)

 

Inhalt:

1. Das leere Grab
2. Tatbestandsaufnahme
3. Die Leinenbinden
4. Leinenbinden daliegend?
5. Leinenbinden einzeln?
6. Das Schweisstuch oder Grabtuch

7. Die Tatsache der Auferstehung
8. Die Reaktion der Jünger
9. Durch Glauben allein
10. Die Reaktion der Feinde
11. Die Zurückhaltung Gottes
12. Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

- Früh morgens nach dem Passah-Sabbath entdeckt Maria Magdalena, dass der schwere Stein von der Felsengruft, in die man den toten Jesus in aller Eile gelegt hatte, weggewälzt war. Sie rennt und meldet Petrus und Johannes, man habe den Herrn weggenommen. Die beiden laufen sofort zur Gruft, schauen hinein und sehen sofort, dass Jesus auferstanden sein muss, obwohl sie es noch nicht begreifen. Knapp und präzis rapportiert Johannes den Befund. Was ist geschehen?

- Dreifach nennt Johannes die Leinenbinden, die er sah, noch bevor er in die Gruft hineingegangen war. Es sind nicht Tücher, sondern Bandagen, mit denen der Leib zusammengebunden worden war. Der Leib hätte nicht aus ihnen entfernt werden können, ohne sie aufzuknüpfen oder zu zerschneiden. Und dreifach präzisiert das Partizip "daseiend" die Binden. Weshalb heisst es nicht "hingelegt" oder ähnlich? Das erste "daseiend" ist durch Voranstellung betont, bestätigt durch ein Manuskript, in welchem ein Abschreiber etwas Ausgelassenes am Rand korrigiert, aber verschoben, so dass die ungewöhnliche Voranstellung verloren ging.

- Johannes sah sofort, dass es mehrere einzelne Bandagen waren. Die bei der Grablegung mit eingewickelte Harzmischung hatte die Binden versteift, so dass sie als einzelne Schlaufen mit Abständen auf der Grabbank standen. Obwohl Johannes erwartet hatte, dass der Leib Jesu nicht mehr da war, gab ihm dieser Anblick einen derartigen Schock, dass er im Moment "allerdings" nicht hineinging.

- Dann ging Petrus hinein und sah ausser den Binden noch das Schweisstuch, das Johannes auch gesehen hatte, als es Jesus bei der Kreuzabnahme aufs Haupt gelegt worden war und nachher seinen ganzen Körper einhüllte, die eine Hälfte vorn, die andere zwischen seinem Rücken und dem Kreuzesstamm. Einige einzelne Bandagen wurden dann nur noch gebraucht, um den Leichnam mit den Gewürzen im Grabtuch zusammenzubinden. Die Bandagen waren unverändert geblieben, das Grabtuch jedoch war aus diesen versteiften Schlaufen herausgekommen und dann von jemandem zusammengewickelt abseits hingelegt worden. Dieser Tatbestand machte den beiden Jüngern die übernatürliche leibliche Auferstehung Jesu offensichtlich.

- Folglich ("nun") gingen sie wieder heim, denn es gab nichts weiter zu finden. Petrus "bewunderte das Geschehene". Es wunderte ihn aber nicht mehr, was geschehen war, denn das war ihm nun klar. Bewunderte er etwa das Resultat davon, nämlich das Schweisstuch? Das Grabtuch von Turin würde äusserlich zu dieser Deutung passen, ist aber wahrscheinlich eine Fälschung. Aus biblischer Sicht sind Reliquien ohnehin verdächtig. Ein göttliches Zeichen wird verschwinden, sobald es von den damit beschenkten Gläubigen gesehen worden ist. Moses Bronze-Schlange musste von Hiskia zerstört werden, sobald sie als Reliquie missbraucht wurde. Der Auferstandene bot dem "ungläubigen" Thomas den handgreiflichen Gottesbeweis an, den dieser verlangt hatte, aber Thomas erkannte, dass so etwas nichts mehr half, nachdem er nun in persönlichem Glauben vor Jesus stand.

- Weder Juden noch Römer bestritten, dass das Grab leer war. Den Leichnam fanden sie aber nicht. Der offensichtliche Beweis der stehenden Bindenschlaufen musste zerstört und die Wachen bestochen werden, so dass man die Lüge vom Grabraub verbreiten konnte. Die Juden kannten zwar die temporäre Auferweckung von Toten und die Erwartung einer allgemeinen Auferstehung beim Endgericht. Und die Heiden glaubten an eine Vergöttlichung der Seele von Helden, aber ohne den Leib. Dass aber ein richtig Toter in dieser Zeit leiblich zu unvergänglichem Leben aufersteht, war völlig unerwartet.

- Das einzige Zeichen, das Jesus den ungläubigen Juden zu geben versprach, bezog sich auf seine Auferstehung. Mag es aus den stehenden Bindenschlaufen bestanden haben? Alle göttlichen Zeichen sind verhüllt, denn Gott will auch logischen Zwang vermeiden, da er die Persönlichkeit jedes Menschen achtet.

- Weshalb ist das leere Grab wichtig? Für den christlichen Glauben ist die geschichtliche Tatsache der leiblichen Auferstehung Jesu von entscheidender Bedeutung. Sonst wäre unser Glaube nichtig, und wir wären noch in unseren Sünden. Gott bestätigt durch diese Auferweckung Jesu, dass er seinen Tod am Kreuz als stellvertretendes Sühnopfer angenommen hat.

 
 
 
 

Eberhard Auer, "Die Urkunde der Auferstehung Jesu"  (Wuppertal: Brockhaus Verlag, 1959)
Eberhard Auer, "Der dritte Tag"  (Metzingen, Württemberg: Ernst Franz Verlag, 1970)
Die Bilder im Text stammen aus "Der dritte Tag"

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